HypnoBirthing – moderner Hokuspokus? (Teil 1)

Vier Wochen vor dem errechneten Geburtstermin unseres zweiten Kindes besuchten wir unseren zweiten Geburtsvorbereitungskurs. Auf Empfehlung unserer Hebamme Christina, der wir bekanntermaßen blind vertrauen, buchten wir einen HypnoBirthing Kurs nach Marie Mongan. Vier Abende je 3,5 Stunden.
Wir waren vollkommen uninformiert darüber, was uns erwarten würde. Wir wussten nur, dass wir uns in diesem Kurs auf spezielle Art und Weise auf die Geburt unseres zweiten Kindes vorbereiten können. Einige unserer Freunde hatten sich bereits köstlich über die Wahl unserer Geburtsvorbereitung amüsiert. Es fielen Sprüche wie: „So ein ESO-Kram!“ oder „Wie kommt ausgerechnet ihr zu solch einem Hokuspokus?“ und viele weitere. Aber egal. Was wir nicht machen, können wir auch nicht kennen. Also maschierten wir hin und…
Wir waren echt so positiv überrascht, dass wir unseren ersten Eindruck mit euch teilen möchten. Entgegen unserer Erwartung fanden wir uns in gemütlicher Atmosphäre, mit fünf anderen Paaren und einer auf Anhieb sehr sympathischen Hebamme wieder.
Um das erste Eis zu brechen gab es auch hier eine Vorstellungsrunde, jedoch auf eine mir bisher unbekannte Art und Weise. Jedes Paar stellte nicht sich selbst, sondern nach einem kurzen Austausch, das jeweilige Nachbarpaar vor. Super Idee, wie ich finde.
Nachdem auch die Hebamme einen Einblick in ihre Vita und ihre Beweggründe sich in das Thema HypnoBirthing einzuarbeiten gegeben hatte, ging es gleich richtig los.

Wer hat es entwickelt?

Marie Mongan schrieb das Buch „HypnoBirthing – der natürliche Weg zu einer sicheren, sanften und leichten Geburt“.  Sie war überzeugt davon, dass eine Geburt etwas Natürliches ist und dass diese nicht zwangsläufig mit unerträglichen Schmerzen verbunden sein muss.

Im zarten Alter von 21 Jahren begann sie sich mit dem Thema Geburt intensiv auseinander zu setzen. Viele Jahre des Studiums und ihrer eigenen erlebten vier Geburten, kam am 3. Januar 1990 das erste erklärte HypnoBirthing Baby zur Welt. Unterstützt wurde ihre Theorie anfangs von  Dr. Dick-Read, der bereits 1930 ein Buch zur natürlichen und sanften Geburt herausgab.

Was bedeutet HypnoBirthing?

Bei den Erläuterungen zur Thematik „Die schmerzfreie Geburt durch Selbsthypnose“ war ich schon kurz davor aufzustehen um zu gehen. Zum Glück wurde mein Vorurteil gleich revidiert. Ich verstand, dass das Ziel von HypnoBirthing vielmehr ist, das neue Leben angstfrei, entspannt, bewusst und konzentriert willkommen zu heißen.
Im Klartext: „HypnoBirthing ist eine natürliche Methode, Geburtsschmerzen ganz oder teilweise zu vermeiden und so die Geburt entspannt, bewusst zu erleben und sogar zu genießen.“ Zitat von www.hypnobirthing.ch
Bewiesenermaßen reduziert eine HypnoBirthing Geburt medizinische Intervention wie Schmerzmittelgabe, PDA und Kaiserschnitte erheblich. Unglaublich wertvoll empfinde ich zudem die intensive Einbindung des Partners. So hat er die Möglichkeit viel früher eine tiefe Bindung zum Baby aufzubauen und gleichzeitig eine unentbehrliche Stütze für seine Partnerin während der Geburt zu sein. Schließlich werden wir zusammen Eltern und nicht nur ich als Frau zur Mutter.

Warum ist es wichtig angstfrei zu sein?

Angst führt uns in einen Teufelskreis! Wenn wir Angst fühlen, verkrampfen wir uns. Dieses Verkrampfen führt wiederum zu Schmerzen und Schmerzen zu noch mehr Angst. Ein Teufelskreis den es zu durchbrechen gilt. Nur wie?

Zunächst simple durch Wissen. Wer weiß, was bei der Geburt im Körper geschieht, kann die Geburt bewusst erleben und hat folglich auch keine Angst davor. So kann ich deutlich entspannter handeln.

Ein Teil der Angst wird allein schon durch eine positive Wortwahl genommen. Wehen die schon auf das Wort auf „wehtun“ hin deuten, heißen nun nicht mehr Wehen, sondern Wellen. Bei näherer Betrachtung unserer Anatomie macht das Sinn. Bei der Geburt zieht sich die Muskulatur der Gebärmutter wellenförmig von oben nach unten zusammen. So übt das Baby Druck nach unten aus.

Entspannung? Hört sich immer super an, aber während der Geburt?

Entspannung, genauer gesagt Tiefenentspannung ist der Hauptbestandteil von HypnoBirthing. Zu diesem Zweck haben wir bereits in den ersten 3,5h unseres Kurses zwei Atemübungen und zwei Entspannungsübungen kennengelernt. Die wir von nun an jeden Tag üben und verinnerlichen.

Die Atemübungen erfüllen den Zweck, schnell in die Tiefenentspannung zu finden. Umso öfter wir sie üben, umso alltäglicher werden sie für uns. Damit können wir diese schnell und gezielt anwenden. Zusätzlich durften wir zur Entspannungsmusik bewusst Atmen und uns frei machen von Sorgen, Ängsten und Gedanken, die uns davon abhalten uns voll und ganz auf eine Sache zu konzentrieren.

Bewusst und Konzentriert?

Unsere Leben werden immer hektischer. Viele Dinge passieren gleichzeitig. Vielen fällt es schwer, Dinge bewusst und voll konzentriert wahrzunehmen, geschweigenden diese Dinge bewusst zu genießen.

So ist uns aufgefallen ,wie sehr unsere zweite Schwangerschaft nebenher läuft. Die Neugier über das Wunder des werdendes Leben ist längst nicht so groß wie beim ersten Kind. Viele Vorbereitungen werden kurz vor knapp erledigt. Und so werden wir uns, wie im Kurs besprochen, ab sofort jeden Tag Zeit nehmen uns bewusst nur auf das neue Baby zu konzentrieren.

Fazit des Abends:

Ich, die die immer so viele Dinge wie möglich gleichzeitig erledige, werde mir nun jeden Tag Zeit nehmen, um regelmäßig zu entspannen und mir bewusst zu machen, welches Wunder ich gerade wieder erleben darf. Fast schade, dass wir den Kurs erst jetzt vier Wochen vor unserem errechneten Termin begonnen haben.
Mein wunderbarer Mann –  der sehr angetan war von unserem ersten Abend in dieser Runde –  will mich dabei unterstützen. Wir wollen Werkzeug in Form eines Spickzettels in den Klinikkoffer legen, damit er im Geburtsraum wenn nötig mal spicken kann und mich an die gelernten Atem- und Entspannungstechniken zu erinnern. Wir wollen auch die Geburt unseres zweiten Kinden gemeinsam erleben und ich glaube er ist nicht nur mir während der Geburt eine große Stütze, sondern auch ich für ihn.
Im Kreissaal bei der Geburt unseres ersten Sohnes fühlten wir uns irgendwie allein gelassen. (In der Nacht seiner Geburt kamen neun Kinder unterstützt von zwei Hebammen zur Welt.) Das war überhaupt unser Beweggrund einen zweiten Kurs zu machen. Unsere Erwartungen von diesem auch für uns neuen Kurs wurden auf jeden Fall erfüllt.
Schon heute bin ich total gespannt wie es nächste Woche weitergeht. Vor allem freue ich mich ganz besonders darauf, da uns von unseren Männern eine Massage versprochen wurde 😉
Gespannt wie es weiter geht?

Auch von den nächsten Kursstunden werde ich euch mit Vergnügen berichten!

Habt ihr Erfahrung mit HypnoBirthing? Schreibt mir doch. Ich bin total neugierig darauf.

Oder Fragen? Ich werde versuchen sie zu beantworten.

Hier geht es zum zweiten Teil der Artikelserie.

Eine Idee zu “HypnoBirthing – moderner Hokuspokus? (Teil 1)

  1. Pingback: Hypnobirthing - Moderner Hokuspokus? (Teil 2)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.