Stillen oder nicht stillen - was ist besser?

Stillen oder nicht stillen – was ist besser?

Eine Frage, die sich augenscheinlich leicht beantworten lässt. Natürlich ja, jeder weiß, dass Muttermilch das Gesündeste ist, um ein Baby zu ernähren. Und doch kann jede Mutter Vor- und auch Nachteile des Stillens aufzeigen.

Im Gespräch mit Freundinnen, die gerade ein Baby bekommen haben, ist das Thema Stillen ein Dauerbrenner. Und so muss ich immer wieder an meine Stillzeit zurückdenken. Für mich war ohne großes Zögern klar, dass ich mein Kind stillen möchte.

Dafür sprachen schon ausgesprochen pragmatische Überlegungen. Nicht lachen, aber Muttermilch ist – abgesehen davon, dass es eine vollwertige Ernährung ist – vor allem eines: KOSTENLOS. Sie ist überall mit dabei, wo ich bin und hat dabei immer die richtige Temperatur!

Immer, wenn ich im Gespräch von der nötigen Hygiene gehört habe, die bei der Herstellung und Lagerung von Flaschennahrung betrieben werden muss, war ich sehr dankbar. Dankbar dafür, dass ich keine nennenswerten Probleme mit dem Stillen unseres Sohnes hatte.

Muttermilch – ein Wunder der Natur?

Irgendwie schon, denke ich! Sie passt sich zu jeder Zeit an die jeweiligen Anforderungen des Babys an, in Menge und Zusammensetzung. Zum Beispiel schwankt der Wassergehalt mit der Jahreszeit. Im Sommer brauchen wir alle mehr Flüssigkeit. Babys brauchen in unseren Breitengraden in der Regel keine zusätzliche Zufuhr von Flüssigkeit, unsere Muttermilch passt sich entsprechend an.

Ausschlaggebend für mich war zusätzlich der Aspekt des Aufbaus des Immunsystems. Das kindliche Immunsystem ist zur Zeit der Geburt noch nicht voll ausgereift. Im Mutterleib schützt die Plazenta unsere Babys, danach kann Muttermilch die Grundlagen schaffen. So erhalten Kinder wichtige Abwehrstoffe und Antikörper über unsere Milch. Dadurch ist das Neugeborene in den ersten zweieinhalb bis drei Monaten durch unsere mütterlichen Antikörper geschützt.

Ab etwa dem 3. Lebensmonat fängt das kindliche Immunsystem an zu üben. Infektionen sind dann unabdinglich, nur durch den Kontakt mit Erregern wie Viren und Bakterien lernt der Körper, wogegen er in Zukunft kämpfen soll. Darüber hinaus wird immer klarer, wie wichtig Muttermilch für den Aufbau der Darmflora ist. So enthält sie unterschiedliche Substanzen, die den Aufbau einer ausgewogenen Darmflora beim jungen Säugling fördern.

Da ich selbst mit einigen unangenehmen Allergien unterschiedlichster Art zu kämpfen habe und Muttermilch auch hier vorbeugend wirken kann, war auch das für mich ein wichtiger Grund fürs Stillen: Ich konnte unserem Sohn durchs Stillen die Möglichkeit geben, sein Immunsystem stark werden zu lassen.

Wisst ihr, wie vielseitig unsere Muttermilch einsetzbar ist?

Sie wirkt antibakteriell und verfügt über heilungsfördernde Eigenschaften. Einiges habe ich selbst ausprobiert und war, soweit ich mich erinnere, immer positiv überrascht. So gaben wir immer wieder einige Tropfen Muttermilch in die verstopfte Nase unseres Sohnes – natürliche Nasentropfen, die uns absolut überzeugt haben.

Wir verwendeten sie außerdem bei wundem Po, im Badewasser bei Hautirritationen, verklebten Augen und für mich selbst gegen wunde, rissige Brustwarzen. Andere Mamas verwendeten sie auch, um erste Breimahlzeiten anzurühren. Das ist mir leider nie gelungen. Sicher gibt es noch einige weitere Anwendungsbereiche, die mir unbekannt sind – vielleicht kennt ihr noch einige? Lasst es mich in den Kommentaren wissen. Für mich wird gerade jetzt beim Schreiben dieses Textes wieder immer klarer, wie interessant und umfangreich das Thema Stillen ist.

Zu viel der Lobeshymnen?

Bei all den Lobeshymnen gibt es für viele Mamas auch Gründe, mit dem Stillen aufzuhören oder es gar nicht erst zu versuchen. In unterschiedlichen Gesprächen hört man, dass viele sich durchs Stillen zeitlich und räumlich gebunden fühlen.

Zugegeben, in der heutigen Zeit sind wir Frauen glücklicherweise sehr selbstständig und genießen unseren Freiraum. Ich kann hier nur erzählen, wie es mir ging. Räumlich gebunden habe ich mich nicht gefühlt. Allerdings konnte ich auch frei von jedem Scharmgefühl nahezu überall stillen. Dank der praktischen Stilloberteile und großen Tüchern war ich nur zeitlich gebunden, nämlich an die Hungerzeiten unseres Sohnes.

Das heißt, eigentlich war ich an unseren Sohn gebunden. Er war einfach immer da, wo ich war – bis die ersten Stillmahlzeiten durch Beikost ersetzt waren. Im Nachhinein betrachtet war diese Gebundenheit sogar ganz angenehm. Wir leben in einer schnelllebigen Zeit. Ich hatte vor der Geburt oft das Gefühl, immer und überall dabei sein zu müssen, um nichts zu verpassen. Mich hat die Stillzeit etwas gebremst. Heute überlege ich, bevor ich los renne und genieße auch einfach mal die Ruhe.

Warum hören Mamas auf zu stillen?

Oder entscheiden sich gleich für Ersatzmilch aus Flaschen? Ganz klar, diese Mamas sind unabhängiger. Mahlzeiten können auch vom jeweiligen Partner übernommen werden, der sich so auch gleich mehr eingebunden fühlt. Man braucht kein Augenmerk auf die Ernährung zu legen, das heißt nichts (außer der eigenen Gesundheit) spricht gegen eine Diät, um die überzähligen Pfunde zu verlieren, ein Glas Wein oder gar Zigaretten.

Zusätzlich spart man sich gerade in der ersten Zeit des Stillen die Schmerzen, bis sich die Brustwarze an das Saugen gewöhnt hat beziehungsweise sich alles eingespielt hat. So eine Brustentzündung kann schon sehr unangenehm sein! Andere oft genannte Stillsorgen sind Angst vor der veränderten Brust nach der Stillzeit, besonders geformte Brustwarzen, die ein entspanntes Stillen erschweren oder die Sorge, keine Kontrolle über die Menge der Stillmahlzeit zu haben.

So oder so! Wichtig ist: Ob eine Frau ihr Kind stillt oder nicht, muss sie selbst entscheiden! Ob sie nun zu Beginn ihrer möglichen Stillzeit nicht die nötige Unterstützung bekam, nach der Entbindung Medikamente einnehmen muss, die mit dem Stillen nicht vereinbar sind oder sich schlicht nicht vorstellen kann, für ihr Kind über einen gewissen Zeitraum die einzige Nahrungsquelle zu sein. Für mich war unsere Stillzeit eine Zeit des Kennenlernens, aneinander Gewöhnens und auch eine Zeit, um ein stückweit zu mir selbst zu finden. Ich habe das Stillen (fast immer) genossen und manchmal vermisse ich die unglaubliche Art der Nähe heute noch.

Wie denkt ihr übers Stillen? Was spricht für euch dafür und dagegen? Fühlt ihr euch von eurem Umfeld gar genötigt? Ich freue mich, wenn ihr kommentiert!

Das nächste Mal möchte ich euch gerne meine Gedanken zum Thema Ernährung während der Stillzeit näher bringen. Habt ihr Wünsche oder Anregungen zu diesem Thema? Dann schreibt mir einfach einen Kommentar – ich bin gespannt.

Interessante Links zum Thema Stillen

PS: Noch ein sehr persönlichen Anliegen! Bitte vesucht ernstzunehmende Stillprobleme nicht auf eigene Faust zu lösen. Eine Ausgewogene Ernährung ist wichtig, aber manchmal nicht ausreichend. Viele Milchbildungsprobleme sind nicht einfach durch bestimmte Nahrungsmittel zu lösen. Last keine wertvolle Zeit verstreichen und holt euch frühzeitig kompetente Beratung durch eine Stillberaterin.

PPS: Gerade habe ich eine sehr schönen Artikel auf Netdoktor entdeckt: Ammenmärchen zum Stillen – was ist dran?

Ich finde ihn sehr hilfreich, er räumt mit vielen Ammenmärchen auf und kann so Unsicherheiten bereinigen! Viel Spaß beim lesen.

 

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One Response

  1. Ein gelungener Beitrag zum Thema Stillen, kann dem nur voll und ganz zustimmen:)

    Weiter so!!

    Anka1710 27. November 2014 at 17:44 #

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